Reihenfolge der Berichte umgekehrt-chronologisch


 

Johannes Zang:

 

Zur Lage der Christen in Palästina

 

 

Im ersten Teil der außerordentlich gut besuchten Veranstaltung Café Palästina referierte Johannes Zang über die Lage der Christen in Palästina. Grundlage waren zahlreiche Interviews, die er in der Osterzeit 2025 im Raum Jerusalem und Bethlehem sowie in Ramallah geführt hatte. 33 davon sind in seinem jüngsten Buch (s.o.) wiedergegeben.

 

Was er von seinen Interviewpartner:innen erfahren hat, ist erschütternd. Der Titel des Buches – „Und am Kontrollpunkt wartet die Erniedrigung“ – bringt eine der Erfahrungen, die die Palästinenser:innen (gleich welcher Religion) täglich machen, sehr drastisch auf den Punkt: Man muss lange warten, wird oft intensiv befragt, unter Umständen auch gefilzt; und selbst wenn man einen Passierschein hat, den jeder vorweisen muss, der aus dem Westjordanland nach Jerusalem will, garantiert das nicht, dass man auch durchgelassen wird. Wann wird nicht wie ein gleichwertiger Mensch behandelt, sondern ständig wie ein potentieller Verbrecher.

 

Aber die Schikane beginnt nicht erst am Kontrollpunkt. Am Beispiel einer palästinensischen Lehrerin, die in Jerusalem arbeitet, zeigte der Referent sehr anschaulich, welchen Umweg sie fahren muss, um an ihren Arbeitsplatz zu gelangen. Straßensperren und willkürliche Bestimmungen zwingen sie zu einem riesigen Umweg, was zur Folge hat, dass ihre Fahrt zur Schule – auf der kürzesten Strecke gut acht Kilometer von ihrer Wohnung entfernt – im Schnitt vier Stunden dauert. Um 4:00 Uhr morgens muss sie sich auf den Weg machen, um pünktlich an ihrem Arbeitsplatz zu sein. Da es aber immer auch zu Verzögerungen kommen kann, ist die Angst vor einem Verlust des Arbeitsplatzes ein ständiger Begleiter.

 

Eine andere Interviewpartnerin war eine Ausländerin, die vor Jahrzehnten ins Westjordanland geheiratet hat. Viele Jahre musste sie regelmäßig ihre Aufenthaltserlaubnis erneuern und lebte daher ständig in der Angst, ausgewiesen und damit von ihrem Mann und ihren Kindern getrennt zu werden.

 

Wiederum eine andere Interviewpartnerin erzählte von der sogenannten „Administrativhaft“, die ihre 20jährige Tochter erdulden musste. „Administrativhaft“ bezeichnet eine Form der Inhaftierung, bei der die oder der Festgenommene sechs Monate lang im Gefängnis sitzt, ohne einen Anwalt sehen zu dürfen, ohne auch nur zu erfahren, was ihr oder ihm vorgeworfen wird. Nach sechs Monaten kann die Frist um ein weiteres halbes Jahr verlängert werden – und das beliebig oft. Zu den Gefangenen gehören übrigens nicht nur Erwachsene und junge Erwachsene, sondern auch Kinder ab zehn Jahren. Die Angehörigen erfahren in der Regel nicht, wie es den Inhaftierten ergeht.

 

Das Verfahren der Administrativhaft gehört zu den verbreitetsten Instrumenten der Entrechtung und Terrorisierung der Palästinenser:innen. Denen, die ein wenig vertraut sind mit der Situation in den besetzten palästinensischen Gebieten, ist das Verfahren längst bekannt; es wird seit Jahrzehnten praktiziert. Dennoch gehen Berichte darüber immer wieder unter die Haut – vor allem, wenn man einen solchen Bericht aus dem Mund einer Mutter hört, deren Tochter das am eigenen Leib erleben musste und die aus eigener Erfahrung von den Ängsten erzählt, die die ganze Familie aushalten muss.

 

Beeindruckend ist es, in all diesen Interviews zu hören, welche Bedeutung der Glaube für die palästinensischen Christen hat. Er ist es, der ihnen die Hoffnung gibt, dass sich die Lage doch endlich einmal bessern wird; er gibt ihnen auch die Kraft, in den besetzten Gebiete auszuharren – worin aber auch wieder ein großes Konfliktpotenzial liegt: Meistens sind es die Älteren, die bleiben wollen, was häufig zur Auseinandersetzungen mit ihren Kindern führt. Diese möchten oft lieber das Land verlassen und zu Verwandten ziehen, von denen viele bereits seit Langem im Ausland leben.

 

                                     Daliah Shomali                                                                        Lina Shomali                                                                          Ellen Carbonari

 

Damit konnte der zweite Teil der Veranstaltung die Härte der Berichte in Johannes Zangs Vortrag ein klein wenig abfedern, ohne das Grauen im Westjordanland zu verdrängen. Dazu trug auch das Gedicht „O du Heimat“ von Daliah Shomali, einer der drei jungen Musikerinnen, bei. Es thematisiert die Zerrissenheit einer jungen Palästinenserin, die im sicheren Deutschland lebt, aber aus der Entfernung täglich die unfassbare Zerstörung des Heimatlandes ihrer Eltern miterleben muss.

 

 

Zahlreiche Gespräche machten deutlich, dass den Teilnehmenden die schreckliche Situation im Westjordanland nicht nur ständig im Bewusstsein bleibt, sondern zunehmend auch bei uns als bedrängend erfahren wird.

 

© Fotos: Klaus Bochem

 

Wolfgang Drösser:

 

Das Alte Testament, Israel und die Palästinenser

 

 

 

Als Historiker und Theologe, dazu Kenner Palästinas und langjähriges engagiertes Mitglied des AK Palästina Brühl-Battir brachte Wolfgang Drösser genau die richtigen Voraussetzungen zur Bewältigung seines komplexen Themas mit. Der Vortrag dauerte anderthalb Stunden und hatte zwei Schwerpunkte: Zum einen ging es um den richtigen Umgang mit dem Alten Testament, zum anderen um die Geschichte der Juden seit der Zerstörung des Tempels im Jahre 70 n. Chr. bis zur Gegenwart.

 

 

Den ersten Teil nutzte der Referent, um sehr Grundsätzliches und Wichtiges im Umgang mit der Bibel zu vermitteln, nämlich das, was die Exegese die „historisch-kritische Methode“ nennt. Hier ist das Wort „kritisch“ im ursprünglichen Sinne zu verstehen; das griechische Verb, von dem es abgeleitet ist, bedeutet „scheiden/ unterscheiden“. Konkret heißt das: Bei allen Aussagen in der Bibel ist es wichtig, zu fragen, in welcher historischen Situation sie entstanden sind, welche Aspekte dieser Aussagen zeitbedingt und aus der Sicht späterer theologischer Reflexion infrage zu stellen sind. Jedenfalls vertreten die Exegeten der beiden großen christlichen Konfessionen schon seit über hundert Jahren nicht mehr die Auffassung der sogenannten „Verbalinspiration“, der zufolge jedes einzelne Wort den biblischen Schreibern vom göttlichen Geist in die Feder diktiert und damit zeitlos gültig und unhinterfragbar sei. Die „historisch-kritische Methode“ führt mit der Berücksichtigung des historischen Entstehungskontextes zu einer fundierten Unterscheidung zwischen zeitlich gebundenen (und damit nur in einem stimmten zeitlichen Kontext gültigen) und für die Gläubigen zeitlos gültigen Aussagen.

 

Von diesem unverzichtbaren bibelwissenschaftlichen Prinzip ausgehend, nahm Wolfgang Drösser zahlreiche Bibelstellen (vor allem im 5. Buch Mose, dem „Deuteronomium“, z.T. aber auch anderen alttestamentlichen Schriften) kritisch unter die Lupe, die aus der Sicht des christlichen Gottesbildes geradezu verstörend wirken. An diesen Stellen wird Jahwe die Aufforderung an die Israeliten in den Mund gelegt, bei der Eroberung des Landes Kanaan die ursprünglichen Bewohner, auf die sie treffen, rücksichtslos auszurotten; Männer, Frauen, Kinder, oft auch das Vieh – alles soll gnadenlos vernichtet werden. Der Referent machte deutlich, aus welcher historischen Situation heraus dies zu begreifen ist: Es war die Situation der Rückkehr der Israeliten aus der Babylonischen Gefangenschaft; in diesem Kontext dienten die martialischen Aussagen, die um 500 Jahre zurückdatiert wurden, dazu, den Heimkehrenden Mut zu machen: Ihr Gott Jahwe, der in einer insgesamt kriegerischen Zeit ebenfalls als kriegerischer und mächtiger Gott dargestellt wurde, stand auf ihrer Seite und unterstützte sie bei unvermeidbaren kriegerischen Auseinandersetzungen.

 

Dass damit aber keineswegs ein grundsätzlich aggressiver und feindseliger Umgang mit Fremden gefordert wird, machte Wolfgang Drösser an vielen Stellen deutlich, die ebenfalls im 5. Buch Mose sowie auch in anderen alttestamentlichen Büchern zu finden sind: Sie belegen nicht nur, dass viele Nicht-Israeliten friedlich mit Israeliten zusammenlebten, sondern fordern auch vielfach explizit einen respektvollen, freundlichen Umgang mit den Fremden, orientiert am Gebot der Nächstenliebe.

 

In diesem Zusammenhang zeigte Wolfgang Drösser auch die Entwicklung des alttestamentlichen Gottesbildes auf: von einem Gott, der nur für sein Volk Israel da ist, hin zu dem „universalistischen“ Gott, der alle Menschen nach seinem Bild geschaffen hat; woraus sich konsequent und schlüssig die Forderung des Respekts vor allen Menschen ergibt, unabhängig von Ethnie und Religion.

 

Die Fünf Bücher Mose werden in jeder Synagoge weltweit jedes Jahr einmal vollständig vorgetragen. Jedem regelmäßigen Besucher des Synagogengottesdienstes sind also im Prinzip auch die Stellen bekannt, die einen respektvollen Umgang mit dem Fremden fordern. Den ultrarechten Zionisten und den nationalreligiösen Siedlern in Israel, die das gesamte Westjordanland und auch den Gazastreifen unter Berufung auf Jahwes Landverheißung für sich beanspruchen und dabei der einheimischen palästinensischen Bevölkerung immer aggressiver begegnen, ist vorzuwerfen, dass sie die Heilige Schrift sehr einseitig rezipieren, indem sie nur die Stellen herausgreifen, die einen aggressiven Umgang fordern.

 

Mit dieser kritischen Feststellung war auch der Grundton des zweiten Teils von Wolfgang Drössers Vortrag angeschlagen, vor allem der Passagen, die die Geschichte Israels und Palästinas seit dem späten 19. Jh., also der beginnenden Einwanderung der Zionisten nach Palästina, behandelten.

 

Zunächst aber spannte der Referent einen großen Bogen: Er stellte in wesentlichen Zügen die „Geschichte der Juden und Araber bzw. Palästinenser von 70 n. Chr. bis zur Staatsgründung Israels 1948“ dar, ging dann genauer ein auf „Die Gründung des Staates Israel“ und die in der Unabhängigkeitserklärung den Palästinensern gemachten, aber nie eingehaltenen Versprechen des Respekts vor ihren Traditionen und ihrer Eigenständigkeit, und gab schließlich einen Überblick über „Die Zeit von 1949 bis 2023“. Hier schloss sich gewissermaßen der Kreis: Das im ersten Teil des Vortrags aufgezeigte Bild des menschenfreundlichen Gottes, der keinen Unterschied macht zwischen Menschen verschiedener Ethnien und Religionen, bildete die Grundlage für eine sehr kritische Auseinandersetzung des Referenten mit einer Politik des Staates Israel, die auf einer grundsätzlichen und völlig unbiblischen Dehumanisierung der Palästinenser beruht.

 

Einfühlsam und humorvoll signalisierte Wolfgang Drösser mehrfach, dass er wisse, was er seinem Publikum abverlange. Dieses reagierte mit gespannter Aufmerksamkeit, explizitem Lob und Dank, interessierten Nachfragen sowie kräftigem Applaus. Mehrfache Bitten um das Manuskript des Vortrags zeigten, dass der Referent nicht nur die richtigen Akzente gesetzt, sondern auch das Interesse an einer vertieften Auseinandersetzung mit dem Thema geweckt hatte.

 


 

Katrin Glatz Brubakk:

 

Tagebuch aus Gaza. Trauma-Arbeit mit Kindern aus dem Gazastreifen

 

 

  

 

 

Zweimal schon war Frau Glatz Brubakk für Ärzte ohne Grenzen im Gazastreifen; in wenigen Monaten ist ihr dritter Einsatz geplant. Insgesamt war die deutsch-norwegische Kinderpsychologin und Trauma-Therapeutin für die genannte Organisation schon in vielen Katastrophengebieten im Einsatz, unter anderem in dem berüchtigten Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos. Und wenn eine Frau mit dieser Erfahrung sagt, sie habe noch nirgendwo eine so schreckliche Zerstörung und so grauenvolle Verhältnisse erlebt wie im Gazastreifen, dann sagt das viel aus über die Gegend, die mittlerweile seit gut zwei Jahren von der „moralischsten Armee der Welt“, der IDF, in Grund und Boden bombardiert wird. Als Zuhörer fragt man sich unwillkürlich, wie man das machen kann; wie man immer wieder sein sicheres Zuhause verlassen kann, um sich unkalkulierbaren Gefahren für die eigene Sicherheit, ja für das eigene Leben auszusetzen. Frau Glatz Brubakks Antwort klingt einfach und völlig logisch, bleibt aber dennoch geradezu unglaublich: Wenn man gewisse Kompetenzen habe – wie sie zum Beispiel als Kinderpsychologin und Trauma-Therapeutin – und von solchen Zuständen erfahre, müsse man doch einfach helfen; sie jedenfalls könne nicht anders. 

Ihre Ausführungen untermalte die Referentin mit vielen Fotos, die sie selbst aufgenommen hat. Mittlerweile sind sehr ähnliche Fotos in den Medien zu sehen; aber wenn man hört, in welchem Kontext sie entstanden sind, und dazu einige authentische Erläuterungen zu diesem selbst erlebten und erlittenen Kontext bekommt, dann gehen diese Bilder besonders unter die Haut. Einige dieser Bilder belegten auch die erstaunliche Resilienz der Bewohner:innen des Gazastreifens. Die meisten zeigten aber Zerstörung der Häuser und Straßen sowie schlimmste Verletzungen. 

Das gilt zumal für die Bilder von Kindern, mit denen Frau Glatz Brubakk gearbeitet hat. Die Psychologin erläutert, dass man zwei Arten unterscheiden kann, wie Kinder auf ihre traumatischen Erfahrungen (etwa den Verlust ihrer Eltern oder auch eigenen, schwerwiegenden Verletzungen) reagieren: Sie toben und schreien unaufhörlich oder –und das scheint die häufigste Reaktion zu sein – sie ziehen sich völlig in sich zurück, lassen niemanden an sich heran, verweigern sogar das Sprechen. Die Verhaltensweisen zeugen insgesamt von seelischen Verletzungen, die – wie Frau Glatz Brubakk deutlich macht – gravierende Langzeitfolgen für die Entwicklung der Kinder haben.

An einzelnen Beispielen zeigte die Referentin, wie es ihr mit unendlicher Geduld gelingt, zunächst einmal ein wenig Akzeptanz seitens der kleinen Patient:innen zu erlangen und sie dann mit oft sehr einfachen Mitteln, zum Beispiel Seifenblasen, in ein Leben zurückzuholen, in dem sie trotz der widrigen Umstände auch wieder ein bisschen lächeln, ein bisschen Kind sein können.

Katrin Glatz Brubakk beendete ihren Vortrag mit einem kleinen Hoffnungssignal:

Studien haben gezeigt, dass im Schnitt 3,5% der Bevölkerung eines Landes genügen, um – mit Geduld – ein Umdenken in der Gesellschaft zu bewirken. Das macht in der Tat Mut zur Fortführung von Aktionen der Aufklärung, bei denen man sich allzu so oft fragt, ob sie überhaupt irgendeine positive Wirkung erzielen. 

 

Es ist eine unglaubliche und unschätzbare Arbeit, die diese beeindruckende Kinderpsychologin leistet.

 

Siehe auch folgende Medienbeiträge:

 

1) „titel, thesen, temperamente“ (ARD, 9.3.25): 

https://www.ardmediathek.de/video/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL3R0dCAtIHRpdGVsIHRoZXNlbiB0ZW1wZXJhbWVudGUvMmQxZDZmMTYtN2NkZS00ODJiLTk5ODYtZDk1MjBkMzg0YmJm

 

2) Talkshow Markus Lanz (ZDF, 30.09.25):

Über den Zustand der israelischen Gesellschaft, die massiven Zerstörungen im Kriegs- und Krisengebiet und die Traumata der Kinder in Gaza sowie zu Trumps 20-Punkte-Friedensplan für den Gazastreifen

https://www.zdf.de/video/talk/markus-lanz-114/markus-lanz-vom-30-september-2025-100

 

Gäste:

 

·         Daniel Gerlach, Journalist

Der Chefredakteur des Nahost-Magazins "zenith" äußert sich zu Trumps 20-Punkte-Friedensplan für den Gazastreifen und gibt hierzu einen Überblick zu Chancen und Risiken. 

 

·         Elmar Theveßen, Korrespondent

Der Leiter des ZDF-Studios Washington informiert über Hintergründe und Reaktionen auf das gestrige Treffen zwischen US-Präsident Trump und Israels Premierminister Netanjahu. 

 

·         Katrin Glatz Brubakk, Kinderpsychologin

Für "Ärzte ohne Grenzen" war sie mehrfach in Gaza. Sie berichtet von den massiven Zerstörungen im Kriegs- und Krisengebiet und von den Traumata der Kinder. 

 

·         Melody Sucharewicz, Soziologin

Die in Tel Aviv lebende Deutsch-Israelin spricht über den Zustand der israelischen Gesellschaft und erzählt zudem von ihrem Kampf für die Freilassung der von der Hamas entführten Geiseln.  

 


 

Rudolf Rogg:

 

Siedlergewalt, Vertreibung und schleichende Annexion im Westjordanland

 

 

Wer für eine der oben genannten Organisationen im besetzten Westjordanland unterwegs ist, hat zwei Aufträge: Er oder sie muss – erstens – die Lage vor Ort genau beobachten und dokumentieren, um dann – zweitens – in Deutschland darüber informieren.

Genau das tut Rudolf Rogg seit vielen Jahren. Zuletzt war er im Oktober 2024 in der Region; sein Bericht beruht also auf langjähriger Erfahrung und ist gleichzeitig sehr aktuell.

Die Beobachtungen, von denen er – gestützt auf viele eigene Fotos – berichtete, sind erschütternd.

Zunächst erinnerte er mit Hilfe von Landkarten an die Entwicklung der Aufteilung des gesamten Landes – also Israel plus Westjordanland – zwischen Israelis und Palästinensern. Die letzte Karte zeigte die drei Zonen, in die das Westjordanland seit den Osloverträgen (Oslo II: 1995) eingeteilt ist. Man kann sich nicht oft genug bewusstmachen, dass die Palästinenser in 60% des Landes, das nach diesen Verträgen einmal ihr eigener Staat werden sollte, bis heute nichts zu sagen haben.

Mit detailliertem Kartenmaterial ordnete Rogg sodann die drei Familien, deren Schicksal er im Anschluss genauer schilderte, geographisch ein. Zwei der Familie leben in Masafer Yatta, einem Gemeindeverband von ca. 20 palästinensischen Dörfern in den South-Hebron-Hills, im südlichen Teil der Westbank. Das ist die Region, in der auch der inzwischen vielfach ausgezeichnete Dokumentarfilm No Other Land gedreht wurde. Die dritte Familie lebt in der Nähe der Stadt Nablus, die weiter im Norden der Westbank liegt.

Das Schicksal der drei Familien steht stellvertretend für viele palästinensische Bauern in der Westbank. Der gemeinsame Nenner ist:

 

Einschüchterung, Drangsalierung und Vertreibung durch jüdische Siedler, die von der israelischen Besatzungsarmee unterstützt werden.

 

Die Vertreibungen verstoßen eindeutig gegen die Vierte Genfer Konvention.

 

Eine Konstante bei diesen Aktionen ist die Zerstörung von Häusern, Ställen und Schuppen. Viele palästinensische Familien haben das bereits mehrfach erlebt. Weitere Aktionen der jüdischen Siedler: Sie schädigen oder vernichten die Felder, indem sie beispielsweise die keimende Saat mit Traktoren plattfahren oder ihre eigenen Schafe kurz vor der Getreideernte in ein Feld treiben; Olivenbauern werden bei der Ernte ihrer Früchte massiv behindert; oft werden auch uralte Olivenbäume mit Baggern ausgerissen oder ganze Olivenhaine abgefackelt; auch vor der Tötung von Nutztieren schrecken die Siedler nicht zurück, was einige Fotos von verendeten Jungtieren – Ziegen, Schafen, Eseln – auf beklemmende Weise dokumentieren. Sinnlose Vernichtung, nur um zu zeigen, wer das Sagen hat; und letztlich mit dem Ziel, den palästinensischen Bewohnern das Leben so unerträglich zu machen, dass sie ihre angestammte Heimat „freiwillig“ verlassen.

In den South-Hebron-Hills ist die übliche Begründung für die Vertreibungen, dass das Gebiet als militärisches Übungsgelände gebraucht werde; das ist in dem erwähnten Dokumentarfilm ebenfalls immer wieder zu hören. Mit dieser Begründung werden – wohlgemerkt – Familien vertrieben, die zum Teil seit Jahrhunderten das Land bewirtschaften und ihren Anspruch darauf dokumentieren können; sie haben die nötigen Rechtstitel, um dort zu leben. Aber abgesehen davon, dass die Vertreibungen selbst, wie gesagt, gegen geltendes Völkerrecht verstoßen, muss man auch feststellen, dass die Begründung eine glatte Lüge ist. Auf vielen Fotos, die Rudolf Rogg zeigte, ist deutlich zu sehen, dass auf Hügeln in der Umgebung neue jüdische Siedlungen entstehen. Es handelt sich also eindeutig um ethnische Säuberung: Die ursprünglichen Bewohner des Landes werden vertrieben, um Platz zu machen für jüdische Siedler.

In der Diskussion, die auf den Vortrag folgte, wurde die große Betroffenheit der Zuhörer:innen sehr deutlich. Und mehrfach wurde die Frage gestellt, was man machen kann, um gegen die unhaltbaren Zustände vorzugehen. Leider ist es wohl so, dass sorgfältige Dokumentation und Aufklärung der deutschen Öffentlichkeit nach wie vor die entscheidenden Mittel sind. Eine wirkliche Handhabe zur Änderung der Verhältnisse ist angesichts der Haltung der Politik in Deutschland bedauerlicherweise in absehbarer Zeit kaum zu erwarten.

© Fotos: von der Westbank: Rudolf Rogg

von der Veranstaltung: Klaus Bochem

Siehe auch den Bericht im ARD-Mittagsmagazin vom 17.2.2025:

 

„Israel weitet Militäreinsatz im Westjordanland aus“

 

https://www.ardmediathek.de/video/mittagsmagazin/israel-weitet-militaereinsatz-im-westjordanland-aus/mdr/Y3JpZDovL21kci5kZS9iZWl0cmFnL2Ntcy8xNGRkOTdjNy1jYmQwLTQ1NzEtYTJiZS0wZDY5Yjk3ODc2MGI

 

Johannes Zang:

Das Massaker des 7. Oktobers 2023 und seine Vorgeschichte

 

B u c h v o r s t e l l u n g

 

 

 

Zu Recht wies Johannes Zang schon im Titel seines Vortrags darauf hin, dass der zu verurteilende Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 eine Vorgeschichte hat. Das hatte bereits António Guterres betont, als er wenige Wochen nach dem Überfall anmerkte, dieser sei "nicht im luftleeren Raum" entstanden. Der Referent konkretisierte dies, indem er - beginnend mit der ersten Alijah (Einwanderungswelle) - die wesentlichen Etappen erläuterte, die zu einer immer stärkeren Marginalisierung der Palästinenser im eigenen Land führten, im Gazastreifen bis hin zu dem Zustand, der vielfach als "größtes open air-Gefängnis" der Welt bezeichnet wird. Er berichtete von eigenen früheren Besuchen im Gazastreifen und von den vielen Interviews, die er dort geführt hat. Sie alle machen deutlich, dass die Situation dort bereits in den letzten Jahrzehnten immer prekärer wurde. Die Schilderungen verdeutlichten, was die UNO meinte, als sie bereits 2015 davor warnte, dass die Region im Jahre 2020 nicht mehr bewohnbar sein könnte.

Ausgewählte Augenzeugenberichte - oft von ausländischen Ärzten, die dort einige Zeit Dienst tun - über die aktuelle Situation gut ein Jahr nach Beginn des gegenwärtigen Krieges, ergänzt durch Statistiken aus glaubwürdigen Quellen, machten das ganze Grauen der Lage der Palästinenser:innen deutlich, die unter mehrfachen Vertreibungen, Hunger, fehlender medizinischer Versorgung usw. leiden. Auch die Folgen eines Verbots der UNRWA, das Israel für Ende Januar 2025 angekündigt hat, wurden erörtert.

 

Der Vortrag endete mit "kleinen Zeichen der Hoffnung", die bereits in der Einladung angekündigt waren: Zang stellte einige zivilgesellschaftliche Initiativen vor, die - von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt - arbeiten.

Das ändert allerdings nichts daran, dass die Lage zurzeit verzweifelt ist.

 

Im anschließenden Gespräch wurde das von den ca. 30 Teilnehmer:innen, von denen sich etliche sehr gut informiert zeigten, deutlich artikuliert - wie auch das völlige Unverständnis dafür, dass die internationale Politik einschließlich der deutschen es nicht schafft, den drohenden Genozid zu beenden.

Foto: © Klaus Bochem

 

Dr. Tamar Amar-Dahl:

 

Militarismus und Krieg im Heiligen Land 

 

 

 

Einige ergänzende Angaben zur Referentin:

Dr. Tamar Amar-Dahl studierte Geschichte und Philosophie in Tel Aviv und Hamburg und promovierte an der Ludwig-Maximilian-Universität in München mit einer vielbeachteten Biografie über Israels Altpolitiker: Shimon Peres. Friedenspolitiker und Nationalist (2010).

 

Weitere Publikationen:

  • Das zionistische Israel. Jüdischer Nationalismus und die Geschichte des Nahostkonflikts (2012)
  • Zionist Israel and the Question of Palestine. Jewish Statehood and the History of the Middle East Conflict (2017)
  • Israel’s Neo-Zionist War Over Palestine: 1993-2021 (2024).

Frau Amar-Dahl schreibt regelmäßig Rezensionen für Sehepunkte, das renommierte Rezensionsjournal für die Geschichtswissenschaften.

Das oben genannte Buch "Der Siegeszug des Neozionismus" (Februar 2023) ist für manche einer der wichtigsten Titel, die im Jahr 2023 - deutlich vor dem Überfall der Hamas am 7. Oktober - zum Thema Palästina/Israel erschienen sind. Denn es vermittelt wesentliche Erkenntnisse über gesellschaftliche Entwicklungen in Israel, die zu dem verheerenden, aus unserer Sicht völlig unverhältnismäßigen Vernichtungsfeldzug im Gazastreifen geführt haben. Damit liefert es einen unverzichtbaren Beitrag zu dem, was der UNO-Generalsekretär António Guterres schon bald nach dem barbarischen Überfall mit dem Wort "Kontext" angesprochen hat und mit der Bemerkung, dass dieser Überfall "nicht im luftleeren Raum" stattgefunden habe. Von der israelischen Regierung wurde er dafür heftig gescholten, der Relativierung und Verharmlosung dieses Überfalls und gar des Antisemitismus bezichtigt. Wer das Buch liest, kann über solche Beschuldigungen nur den Kopf schütteln. Denn dass es einen "Kontext" im Sinne einer vor allem auch ideologischen Vorgeschichte gibt, ist völlig unbestreitbar; und ihn aufzuzeigen, hat nichts mit Verharmlosung und Relativierung zu tun und gar nichts mit Antisemitismus. Es geht vielmehr darum, Zusammenhänge und Mechanismen zu erkennen und zu verstehen, die katastrophale Folgen haben - um sie künftig frühzeitig wahrnehmen und gegensteuern zu können. Dieses "Verstehen" meint also "begreifen" und bedeutet nicht, wie auch deutsche Politikerinnen und Politiker leider immer wieder unterstellen, in einem relativierenden Sinne "Verständnis haben". Es geht um die Beherzigung des bekannten Ausspruchs des spanischen Philosophen George (Jorge) Santayana: "Wer die Geschichte nicht kennt, ist dazu verurteilt, sie zu wiederholen." Zusammenhänge und Mechanismen genau wahrzunehmen und  zu begreifen - und in diesem Sinne zu "verstehen" -, ist folglich eine der wichtigsten Aufgaben der Historikerin und des Historikers.

In der Veranstaltung am 21. September vermittelte die Historikerin Tamar Amar-Dahl in einem anspruchsvollen Vortrag den Zuhörerinnen und Zuhörern tiefe Einblicke in die Politik und Gesellschaft des Staates Israel. Sie gab einen Überblick über die verschiedenen Strömungen und Lager im Land - Säkulare und Religiöse, Nationalreligiöse und Ultra-Orthodoxe, Linkszionisten - Rechtszionisten - Neozionisten usw. Es gebe, so führte sie aus, nicht nur einen Konflikt zwischen Israel auf der einen und Hamas, Hisbollah und dem Iran auf der anderen Seite, sondern auch heftige Konflikte in der israelischen Gesellschaft, die man als eine Art geistig-kulturellen Bürgerkrieg werten könne.

Als eines der grundlegenden Probleme des Staates Israel beschrieb sie die Tatsache, dass die Palästina-/Palästinenser-Frage nicht nur bis heute nicht gelöst wurde ("das grundlegende Legitimationsproblem des Staates Israel"), sondern auch aus dem Bewusstsein der israelischen Gesellschaft völlig verdrängt worden sei: Sie werde in Israel so gut wie nicht diskutiert, habe bei den letzten Wahlen beispielsweise überhaupt keine Rolle gespielt.

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Vortrags war das Phänomen des sog. "Zivil-Militarismus". Mit diesem Begriff hatte der israelische Soziologe Baruch Kimmerling den Konsens in der israelischen Zivilgesellschaft beschrieben, alle Sicherheitsfragen dem Militär zu überlassen, diesem damit quasi eine Blanko-Vollmacht zu erteilen. Die Folge: Sicherheitsfragen werden nur unter rein militärisch-operativen Gesichtspunkten betrachtet und angegangen, nicht aber unter politischen. Frau Amar-Dahl nannte dies die "Entpolitisierung der Palästinafrage". Eine politische Betrachtung des Problems müsste z.B. nach tieferliegenden Ursachen des Konflikts fragen; die rein militärische fragt nur, wie ein Konflikt mit militärischen Mitteln möglichst effektiv gelöst werden kann. Hier gilt ein unbedingter Primat des Militärs vor der Politik. Hinzu kommt, dass in der Militärdoktrin Israels der Einsatz unverhältnismäßiger Mittel, wie er im Gaszastreifen (und nicht nur in dem aktuellen Krieg) zu beobachten ist, ausdrücklich gefordert wird. Eine der erschreckendsten Erkenntnisse, die das Buch wie auch der Vortrag vermitteln: die Akzeptanz übermäßiger Gewalt als Selbstverständlichkeit.

Die letzten Anmerkungen machen bereits deutlich, dass es in dem Vortrag nicht nur um den Inhalt des vor anderthalb Jahren erschienenen Buches ging, sondern natürlich auch um den gegenwärtigen Gaza-Krieg. Hierzu konnte Frau Amar-Dahl einige Informationen geben, die dem deutschen Blick in der Regel verborgen bleiben, z.B. bezüglich der heftigen Auseinandersetzungen zwischen Premier Netanjahu und den führenden Militärs. Der beschriebene "Zivil-Militarismus" wiederum wird gegenwärtig deutlich in der Tatsache, dass die israelische Zivilgesellschaft zwar die Handhabung der Geiselfrage heftig kritisiert, aber den unverhältnismäßigen Einsatz von Gewalt im Gazastreifen und neuerdings auch im Libanon mit großer Mehrheit unterstützt.

Die anschließende Diskussion machte deutlich, dass bei aller Verwirrung über die aus deutscher Sicht unübersichtlichen Strömungen und Fraktionen in der israelischen Gesellschaft das Interesse an den Hintergründen der ständigen Spannungen und Konflikte sowie an der Frage, wie sie überwunden werden könnten, bei uns nach wie vor sehr groß ist.

 

Video-Aufzeichnung: https://www.youtube.com/watch?v=5BSe2oIJCxw

Fotos: © Klaus Bochem

 

Die Lage in der Westbank

vor dem Hintergrund des Gaza-Krieges

 

Vortrag und Diskussion

mit der Reiseführerin Hiam Abu-Dahhyeh

aus Beit Jala

 

 

Der Arbeitskreis führte zunächst kurz in die politisch-geografischen Gegebenheiten ein: Verlauf der „Sperranlage“, die die Westbank abschottet, deren Einteilung in drei Zonen und Lage der wichtigsten Orte (s.u.).

Frau Abu-Dayyeh nutzte anschließend die Gelegenheit, die Geschichte Palästinas seit dem Ende des 19. Jhs. darzustellen, also seit der ersten zionistischen Einwanderungswelle („Alija“). Gestützt auf Bevölkerungsstatistiken und viele historische Fotos zeigte sie, wie die Palästinenser:innen in ihrem eigenen Land durch die Zuwanderer unter Druck gerieten. Über den israelischen Unabhängigkeitskrieg und die damit verbundene Vertreibung von über 700.000 Palästinenser:innen („Nakba“) im Jahre 1948 zog sie die Linie bis zur gegenwärtigen Situation: den Zerstörungen und Vertreibungen im Gaza-Krieg, der mit dem Überfall der Hamas auf die israelische Grenzregion am Gazastreifen am 7. Oktober 2023 begann, sowie den Auswirkungen dieses Krieges auf das Westjordanland.

Sie schilderte das immer aggressivere Auftreten der zionistischen Siedler:innen dort und ihre Unterstützung durch das Militär. Die Siedler:innen bedrohen die palästinensischen Landwirte, die bei der Olivenernte ebenso behindert werden wie insgesamt bei der Bestellung ihrer Felder. Hinzu kommen zunehmend Einschränkungen der Bewegungsfreiheit für die Palästinenser:innen durch mobile Checkpoints, aber mehr noch durch das Absperren von Straßen durch Erde und Schutt, die auf den Straßen aufgehäuft werden. Kraftfahrern, die trotz aller Einschränkungen in der ganzen Westbank beruflich unterwegs sein müssen, wird dadurch nicht nur ihre Arbeit enorm erschwert; vielmehr leben sie und ihre Angehörigen aufgrund der aggressiven Stimmung im Land in ständiger Angst um ihr Leben und eine sichere Heimkehr.

Den 35 Teilnehmer:innen wurde durch den Vortrag anschaulich vor Augen geführt, wie sehr das ohnehin seit Jahrzehnten durch die israelische Besatzung stark eingeschränkte Leben in der Westbank durch die Auswirkungen des Gazakrieges noch einmal deutlich erschwert wird. Deutlich spürbar war die persönliche Betroffenheit der Referentin, die in Beit Jala lebt.

 

Fotos: © Klaus Bochem

 

Karte von 06/2013

 

 

Combatants for Peace

 

Vortrag und Diskussion

mit einem jüdischen und einem palästinensischen Mitglied dieser Friedensinitiative

 

 

Der Israeli Rotem Levin, aufgewachsen in einem kleinen Dorf mitten im „Kernland“ Israel, und der Palästinenser Osama Eliwat aus Jericho erzählten an diesem Abend davon, wie sie aufgewachsen und wie sie zu der Gruppe Combatants for Peace gekommen sind. Und natürlich war auch die aktuelle Lage ein Thema: der Gaza-Krieg, der mit dem brutalen Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023 auf ein Festival in Israel und mehrere Kibbuzim begonnen hat und zum Zeitpunkt der Veranstaltung noch andauerte.

Von links nach rechts: Thomas Trischler, Osama Eliwat, Rotem Lewin

Die Erzählungen aus ihrer Kindheit und Jugend machten eines sehr deutlich: Dass beide Seiten, Israelis wie Palästinenser, mit einem sehr einseitigen Bild von den jeweils anderen aufgewachsen sind, einem Bild, das in dem anderen oft nur den Feind sehen lässt:

-    Osama Eliwat lernte als Schulkind von ca. 12 Jahren die Israelis kennen als schwerbewaffnete Soldaten, die über das alltägliche Leben in dem palästinensischen Ort bestimmen konnten und die ihm Angst einjagten. Das prägte sein Bild von „den Juden“; sie waren für ihn dominant, aggressiv, feindselig. Als junger Mann kam er durch einen Freund in Kontakt mit einer Gruppe in Bethlehem, in der Juden und muslimische Palästinenser gemeinsam für die Überwindung der Feindseligkeiten eintraten. Erst diese persönliche Begegnung öffnete ihm die Augen dafür, dass es auch „andere“ Juden gibt als die, der er als Kind kennengelernt hatte. Juden, mit denen man reden kann, die dieselben Bedürfnisse und Interessen haben – vor allem die Sehnsucht nach einem Leben in Frieden.

-    Rotem Levin lernte Palästinenser als Angestellte im Haus seiner Eltern kennen, das in einem rein jüdischen Ort lag. Diese Angestellten kamen aus einem benachbarten Dorf, in dem wiederum nur Palästinenser lebten. Getrennte Welten also; die Beziehung war eine rein geschäftliche und mit dem Verhältnis von Arbeitgebern und Angestellten auch eine deutlich hierarchische.

Auch in der Schule lernte er nichts über die Geschichte und die Kultur der Palästinenser, die immerhin seine Nachbarn waren. Das Erlernen des Arabischen wurde nicht angeboten. Im Nachhinein ist sich Rotem sicher, dass dies von der Regierung und der Schulbehörde so gewollt war: Man sollte nichts über die einheimische palästinensische Bevölkerung wissen; möglicherweise hätte man ja sonst das allgemein Menschliche an ihnen erkannt…

Das bestätigt auf der Ebene der persönlichen Erfahrung eine Studie über Palästina in israelischen Schulbüchern: Ideologie und Propaganda in der Erziehung, die die jüdisch-israelische Hochschullehrerin Nurit Peled-Elhanan 2012 veröffentlicht hat. In diesen Büchern, so zeigt sie, werden die Palästinenser als aggressive, unterentwickelte, primitive Kameltreiber dargestellt.

Im Laufe der Zeit erkannte Rotem, dass etwas an diesem Bild nicht stimmte. Nach seinem Militärdienst lernte er Arabisch und gewann viele palästinensische Freunde.

Gemeinsam bemühen sich Osama und Rotem seit vielen Jahren, ihre Einsichten vor allem an Jugendliche weiterzugeben. Besonders die Erkenntnisse,

Ø  dass sie ihr einseitiges und falsches Bild des anderen überwinden müssen und

Ø  dass nur ein gewaltfreies Miteinander den seit Jahrzehnten immer wieder blutig ausgetragenen Konflikt zwischen Juden und Palästinensern überwinden kann.

Allerdings ist Combatants for Peace nur eine kleine Organisation. Sie zählt ca. 100 Mitglieder und hat etwa 500 Unterstützer. Zur jährlichen Joint Memorial Ceremony, die – gemeinsam mit dem Parents Circle Families Forum – immer am Vorabend des Israeli Memorial Day veranstaltet wird, kommen jedoch immerhin bis zu 12.000 Teilnehmer.

Diese Veranstaltungen sind oft begleitet von wütenden Protesten rechtsgerichteter Zionisten, die am Eingang zu der Veranstaltungshalle stehen und die ankommenden Teilnehmer als Verräter beschimpfen.

-       Angaben auf Wikipedia:

Die Bewegung entstand als Reaktion auf die Zweite Intifada (2000–2005) […]. Sie hatte 70 Mitglieder im ersten Jahr und zählte nach zwei Jahren 200 Personen. Nach Angaben von Sulaiman Khatib haben sich 2020 während der Versammlungsbeschränkungen wegen Covid-19 rund 200.000 Personen zu einer Veranstaltung weltweit online zugeschaltet. Die Bewegung arbeitet mit der ähnlich ausgerichteten Gruppe The Parents Circle Families Forum zusammen. Gemeinsam mobilisierten sie am 24. April 2023 am Vorabend zu Jom haZikaron [dem israelischen Memorial Day] rund 15.000 Personen in Tel Aviv. Unter den Teilnehmern befanden sich auch 150 Palästinenser.

 -     Zu den Combatants for Peace siehe https://cfpeace.org/

 -     Zum  Parents Circle: https://www.theparentscircle.org/en/pcff-home-page-en/

 -     Die Arbeit der Combatants for Peace, die Schwierigkeiten, mit denen sie zu kämpfen haben bis hin zu den Anfeindungen durch rechtsgerichtete Zionisten bei der Joint Memorial Ceremony schildert die israelische Autorin Lizzie Doron sehr eindrucksvoll in ihrem Roman Sweet Occupation, der auf dieser Homepage ausführlich besprochen ist. Siehe hier.

 

Den aktuellen Gaza-Krieg ordneten die Gäste ein in die Reihe der Gaza-Kriege, die seit 2008 immer wieder ausbrechen. Für die beiden ist klar: Die Feindseligkeiten werden erst aufhören, wenn die Besatzung des Westjordanlandes und die Abriegelung des Gazastreifens beendet werden und die Palästinenser dieselben Rechte zugestanden bekommen wie die Juden.

Osama fasste es mit den Worten zusammen:

„Die Juden werden erst sicher sein, wenn die Palästinenser frei sind;

und die Palästinenser werden erst frei sein, wenn die Juden sicher sind.“

 

Die Zahl von ca. 100 Teilnehmern an unserer Veranstaltung und die vielen, z.T. sehr differenzierten Fragen und Beiträge in der Diskussion, die sich an den Vortrag anschloss, zeugten von einem erfreulich breiten Interesse an dem Thema.

Thomas Trischler vom Zivilen Friedensdienst (ZFD), in dem neun deutsche Friedens- und Entwicklungsorganisationen zusammenarbeiten und der von der Bundesregierung gefördert wird, begleitete die beiden Vertreter der Combatants und übersetzte deren Ausführungen aus dem Englischen. Dr. Michael van Lay-Exeler (Bild links), Mitglied des AK Palästina Brühl-Battir, moderierte den Abend.

Anmerkung: Die kleiner geschriebenen und eingerückten Passagen sind Ergänzungen des Arbeitskreises.

Fotos: © Klaus Bochem

 

Andreas Altmann:

 Verdammtes Land. Eine Reise durch Palästina

 

Lesung des Autors aus seinem gleichnamigen Buch und Diskussion

 

 

Rückseite des Einbandes:

 

 

Datum:          Freitag, 18. November 2022

Ort:                 Rathaus der Stadt Brühl, Uhlstraße 3, Kapitelsaal

Zeit:               19.30 Uhr

Eintritt:         14 € im Vorverkauf, 17 € an der Abendkasse

Vorverkauf durch die Buchhandlung Brockmann,

Uhlstraße 82, 50321 Brühl  ­ Tel.: 02232 410498

Als Reiseschriftsteller ist Andreas Altmann bekannt für seine wachen und kritischen Beobachtungen und für seine erfrischend unverblümte Sprache. Beides entfaltete auch an diesem Abend seine Wirkung.

Inhaltlich präsentierte Herr Altmann eine Mischung von sehr persönlichen und anrührenden Begegnungen in dem besetzten Land sowie scharfen Beobachtungen oft bedrückender Szenen; etwa von Hauszerstörungen, die regelmäßig als - völkerrechtlich verbotene - Kollektivstrafe ausgeführt werden, wenn ein einziger Bewohner des Terrorismus verdächtigt wird.

Die Sprache mal einfühlsam, mal schonungslos; eine Sprache, die Missstände, ja Verbrechen klar als solche benennt.

Das eindeutige Engagement für Menschlichkeit und Menschenrechte und gegen Unterdrückung und Machtmissbrauch wurde unterstrichen durch den teils emphatischen Vortrag des Autors.

 

Bürgermeister Dieter Freytag, bekannt für seine Verbundenheit mit Palästina im Allgemeinen und unserer Partnerstadt Battir im Besonderen, begrüßte den Referenten. Dabei hob er die Bedeutung des Engagements für eine Region hervor, deren Bewohnerinnen und Bewohner in äußerst prekären politischen Verhältnissen leben.

Fotos: © Klaus Bochem

 

Kerstin Winge:

Oneway.

Berlin - Gaza. Als Deutsche im Gazastreifen. Tagebuch

 

B u c h v o r s t e l l u n g

 

 

 

 

 

 

Termin:     5. März 2022

 

Ort:            Begegnungszentrum margaretaS,

    Heinrich-Fetten-Platz, 50321 Brühl

Zeit:          16.00 Uhr


1994 reiste die Autorin zusammen mit ihren beiden kleinen Söhnen ihrem palästinensischen Ehemann in dessen Heimat hinterher: in den Gazastreifen. Das Leben dort bis zu ihrer endgültigen Rückkehr nach Berlin im Jahre 2008 bildet den wesentlichen Inhalt des Buches, das Kerstin Winge vorstellen wird. Auf der Rückreise hat sie nur ihren jüngsten Sohn dabei, der im Gazastreifen geboren wurde.

Der Sprengstoff, der schon in diesen drei Sätzen liegt, entfaltet in dem Tagebuch seine volle Wirkung. Kerstin Winge trifft auf eine Kultur, die sich in vielem von dem unterscheidet, was sie von zu Hause kennt. Das gilt vor allem für die Familien- und Nachbarschaftsbande, die viel dichter und enger sind, als sie es aus Deutschland gewohnt ist – enger und oft auch beengend. Und auch das Verhältnis zwischen den Geschlechtern ist ein deutlich anderes.

Ende 2000 bricht dann die zweite „Intifada“ aus, der zweite Aufstand der Palästinenser gegen die israelische Besatzung. Schon wenn man Filme darüber im Fernsehen sieht, ist man entsetzt. Kerstin Winge aber hat es hautnah miterlebt. Denn das Haus, das ihr Mann am Stadtrand von Chan Yunis im Süden des Gazastreifens gebaut hat, liegt in unmittelbarer Nähe einer israelischen Siedlung. Dass gleichzeitig die Hamas im Gazastreifen die Herrschaft übernimmt, macht die Situation nicht eben leichter.

Verschiedene Faktoren führen dazu, dass es irgendwann einfach nicht mehr geht; dass Frau Winge keinen anderen Weg mehr sieht, als nach Berlin zurückzukehren – für immer.

Kerstin Winge schildert das alles in ihrem Tagebuch ungeschönt.

Es ist ein aufwühlendes und packendes Buch.

Etwa 20 Zuhörerinnen und Zuhörer folgten dem Vortrag, in dem Kerstin Winge es verstand, die Darstellung sehr persönlicher Erlebnisse und die der  gesellschaftlichen Situation sowie des politischen Hintergrundes miteinander zu verbinden. So bekamen die Anwesenden die seltene Gelegenheit, einen authentischen Einblick  in das Leben im Gazastreifen zu erhalten und damit in eine Region, die durch die Medien geht, wenn mal wieder die Raketen fliegen, die aber - im Unterschied zur Westbank - in der Berichterstattung noch mehr als diese eine untergeordnete Rolle spielt. Das spiegelt auf medialer Ebene quasi die Tatsache wider, dass der Gazastreifen im wahrsten Sinne abgeschlossen ist - ein open-air-Gefängnis. Für die Palästinenserinnen und Palästinenser, die dort wohnen, ist es beinahe unmöglich, dieses Gefängnis zu verlassen; und selbst für die Deutsche Kerstin Winge war die Organisation eines Besuchs in ihrer Heimat Berlin mit großen bürokratischen Hindernissen verbunden.

Probleme bei der Ausreise sind nur eine Folge des israelischen Besatzungsregimes, das auch nach der Räumung der israelischen Siedlungen 2005 das Leben der Menschen im Gazastreifen bestimmt. Probleme bei der Einfuhr von Lebensmitteln und anderen Mitteln des täglichen Bedarfs bis hin zur Behinderung der Einfuhr von Baumaterialien, die den Wohnungsbau für eine ständig wachsende Bevölkerung erschwert, kommen hinzu; und nicht zuletzt die ständige Bedrohung durch die martialisch auftretenden Soldaten nicht nur an den Checkpoints. Die Referentin selbst hat die Bedrohung mehrfach am eigenen Leib zu spüren bekommen, etwa bei nächtlichen Razzien in ihrem Haus durch israelische Soldaten nach dem Ausbruch der zweiten Intifada, aber auch durch die Hamas, die 2006 die Herrschaft übernahm.

Abgerundet wurde die Darstellung durch die Schilderung privater Ereignisse; dazu gehörten Hochzeitsfeiern, die Einweihungsfeier ihres Hauses und Szenen aus dem Alltagsleben der Familie.

All dies veranschaulichte die Referentin durch viele persönliche Fotos, bei deren Präsentation ihr Ehemann René sie unterstützte.

Es war insgesamt eine sehr facettenreiche Veranstaltung: Nicht nur die beiden Ebenen des Politischen und des Privaten trugen zu der Vielschichtigkeit bei, sondern auch Licht und Schatten auf jeder dieser Ebenen: Für Kerstin Winge gab es ein happy end, eindrucksvoll vor Augen geführt durch das letzte Bild des Vortrags, das sie im Kreis ihrer drei Söhne zeigt - nach dem schwierigen Leben im Gazastreifen glücklich vereint in Deutschland. Aber auch die bedrückende Lage, in der die Palästinenserinnen und Palästinenser leben und die sich seit der Rückkehr der Referentin nach Deutschland im Jahr 2008 eher noch verschlechtert hat, zog sich als düsterer Unterton durch den Bericht.

Im Anschluss an den Vortrag beantwortete Kerstin Winge noch mehr als eine halbe Stunde lang zahlreiche Fragen aus dem Publikum, die von einem lebhaften Interesse sowohl an der politischen Situation als auch an den persönlichen Erfahrungen der Referentin zeugten.

Die Veranstaltung wurde wiederum unterstützt von der Buchhandlung Brockmann, aber auch vom Institut für Palästinakunde in Bonn, deren Leiterin Angelika Vetter den Kontakt zu Frau Winge vermittelt hatte und zusammen mit ihrem Mitarbeiter Thomas Siemon das Ehepaar Winge nach Brühl begleitete.

Fotos: © Klaus Bochem

 

Johannes Zang: Erlebnisse im Heiligen Land

 

B u c h v o r s t e l l u n g

 

 

 

 

 

 

 

Zu diesem Buch finden Sie auf unserer Homepage

eine Rezension.

Klicken Sie hier


Johannes Zang las einige Kapitel aus seinem neuen Buch. Er traf dabei eine geschickte Auswahl, die einen überzeugenden Einblick in die ganze Bandbreite der Thematik und zugleich einen guten Eindruck von der Vielseitigkeit des Buches vermittelte. So wurden etwa die verschiedenen Religionen vorgestellt, auch in ihren teilweise sehr befremdlich anmutenden Aspekten wie den Streitigkeiten zwischen den diversen christlichen Denominationen in der Grabeskirche in Jerusalem; es gab Heiteres - z.B. eine Auswahl palästinensischer Witze - und Beklemmendes, z.B. die eindrucksvolle Schilderung einer Autofahrt über eine Strecke von 110 Kilometern, die infolge der vielen Checkpoints und der durch sie verursachten Wartezeiten sowie durch die - meist vergebliche - Suche nach Umwegen mehr als neun Stunden (!) dauerte.

Aufgrund dieser Auswahl verschiedenster Themen war der Vortrag sehr abwechslungsreich und trotz mancher bedrückender Aspekte sogar kurzweilig. Dazu trugen auch die vielen eigenen Fotos bei, mit denen der Referent seine Präsentation veranschaulichte.

Sowohl hier als auch im anschließenden Gespräch konnte Johannes Zang aus der Fülle seiner Erfahrungen schöpfen, die er in einigen mehrjährigen Aufenthalten sowie in vielen Reisen als Reiseleiter sammeln konnte, und aus vielen Begegnungen sowohl mit einfachen Menschen als auch mit herausragenden und beeindruckenden Persönlichkeiten. Darüber hinaus zeugten seine Ausführungen von einer gründlichen Kenntnis der Fachliteratur über das Heilige Land in seinen vielfältigen Facetten. Die glückliche Verbindung eines großen Erfahrungsschatzes mit profundem Fachwissen prägt auch das Buch selbst: Es ist sehr fundiert, zugleich authentisch und in der Darstellung sehr lebendig.

Wegen der erfreulich großen Zahl von 58 Besucherinnen und Besuchern musste die Veranstaltung kurzfristig in die Kirche St. Margareta verlegt werden, da in dem ursprünglich vorgesehenen Begegnungszentrum coronabedingt nur 40 Personen zugelassen waren. Offensichtlich sehnen sich die Menschen wieder nach kulturellen Veranstaltungen, aber es war auch erkennbar das Thema selbst, das auf großes Interesse stieß: Viele der Besucherinnen und Besucher hatten sich, wie in dem Gespräch deutlich wurde, schon mit ihm befasst und viele hatten Israel und Palästina auch schon besucht.

 

 An einem Büchertisch, den die Buchhandlung Brockmann aufgebaut hatte, konnten die Besucherinnen und Besucher gleich anschließend das Buch wie auch frühere Bücher des Referenten erwerben. Von dieser Möglichkeit wurde reger Gebrauch gemacht.

 

Es war ein rundum gelungener Abend.

© Fotos: Klaus Bochem

 

Holy Land Trust

 

Vorstellung einer Friedensinitiative aus Bethlehem

 

 


Das Unmögliche möglich machen - Frieden im Heiligen Land

 

Der Holy Land Trust (HLT) ist eine lokale Nichtregierungsorganisation in Bethlehem in den palästinensischen Autonomiegebieten. Sie strebt einen stabilen und gerechten Frieden zwischen Israelis und Palästinensern an und arbeitet seit 1988 aktiv mit drei Zielgruppen zusammen: Palästinenser*innen, Israelis und der internationalen Gemeinschaft.

Wie Elias Dies, der Geschäftsführer des HLT, erläuterte, besteht eine der Maßnahmen darin, dass regelmäßig junge Israelis zu gemeinsamen Aktionen in das Westjordanland eingeladen werden, beispielsweise zur Olivenernte, aber auch zum Wiederaufbau von Häusern, die das israelische Besatzungsregime hat abreißen lassen.

Dem liegt folgendes Problem zugrunde:

Während die israelischen Siedlungen im besetzten Westjordanland sich ständig ausdehnen, wird Palästinensern nur selten eine Baugenehmigung erteilt - und das seit Jahrzehnten. Da die Familien aber wachsen, muss Wohnraum geschaffen werden; und da die Baugenehmigung nicht erteilt wird, wird aus der Notlage heraus oft ohne diese gebaut - für die Besatzungsmacht ein Grund, die Häuser abzureißen.

(Laut dem UN-Büro für die Koordination humanitärer Belange in den besetzten palästinensischen Gebieten - United Nations Office for the Coordination of Humanitarian Affairs occupied Palestinian territory, kurz OCHA - wurden im ersten Quartal des Jahres 2021 insgesamt 292 Einrichtungen zerstört - gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres eine Zunahme von mehr als 120 %. Siehe https://www.ochaopt.org/sites/default/files/demolition_monthly_report-mar_2021.pdf)

Bei ihrem Einsatz erleben die israelischen Jugendlichen also selbst, was es bedeutet, unter Besatzung zu leben. Die Hoffnung von HLT ist, dass sie davon zu Hause erzählen, um die israelische Gesellschaft, die darüber wenig informiert ist, überhaupt auf die Problematik aufmerksam zu machen.

Zu den Programmen von HLT zählen außerdem Emanzipationsprojekte zur Stärkung von jungen palästinensischen Frauen und Mädchen, Kurse in gewaltfreier Kommunikation und Dialogprojekte zwischen Israelis und Palästinenser*innen.

Ziel ist es insgesamt, die Zivilbevölkerung im Heiligen Land zu stärken, um eine bessere Zukunft für alle BewohnerInnen und Bewohner zu erreichen.

Die Veranstaltung fand am 23. September 2021 im Begegnungszentrum margaretaS in Brühl statt.

Das Bild zeigt Elias Dies - rechts - neben seinem Übersetzer Thomas Trischler.

© Foto: Klaus Bochem