Uralte Terrassenfelder und antikes Bewässerungssystem:

 

Leben in Battir


© Gemeinde Battir

Terrassierte Felder

Wie das Bild oben zeigt, ist der Anblick des Ortes - vom nördlich gelegenen Tal aus gesehen - von Feldern geprägt, die auf Terrassen angelegt sind.

 

Oft wird der Ursprung dieser Terrassen auf die Römerzeit vor etwa 2.000 Jahren zurückgeführt. Archäologische Forschungen haben aber gezeigt, dass sie wohl doppelt so alt sind: Vermutlich gehen sie zurück auf die Zeit der Kanaanäer (auch: Kanaaniter). Diese waren das erste Volk, das historisch nachweisbar diesen Landstrich besiedelte.

 

Die Kanaanäer waren in Stadtstaaten organisiert und trieben Handel. Vom 13. Jh. vor der Zeitenwende an wurde die Region von den Hebräern (Israeliten) erobert, die halbnomadisch im Bergland lebten.

Ein römisches Bewässerungssystem

Die Stadt hat ein ausgefeiltes und hocheffizientes Bewässerungssystem, das auf die Römerzeit zurückgeht. Vier Quellen speisen Wasserbecken, die an verschiedenen Stellen des Ortes liegen. Von hier aus wird das Wasser über ein verzweigtes Netz von Kanälen in einem genau festgelegten Rhythmus reihum auf die Felder der einzelnen Familien verteilt. Alle acht Tage beginnt der Rhythmus von neuem; man sagt daher, in Battir habe die Woche acht Tage. Der Wechsel wird von Hand geregelt und das System funktioniert reibungslos – ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie eine uralte Tradition mit lebenswichtiger Bedeutung für das Leben der Gemeinde sich bis heute bewährt.

Fotos: © Almut Zimmermann

Wegen dieses alten Bewässerungssystems und wegen der Steinterrassen hat die Stadt vor einigen Jahren zwei UNESCO-Auszeichnungen bekommen:

  •  2011 den alle zwei Jahre verliehenen „Melina-Mercouri-Preis für die Bewahrung und Verwaltung kultureller Landschaften“. Die Jury hob in ihrer Begründung für die Preisverleihung die überragende „ästhetische und symbolische Bedeutung“ hervor, die die Pflege einer „4.000 Jahre alten Tradition des Wein- und Olivenanbaus auf terrassierten Feldern“ habe.
  • Seit 2014 hat Battir den Status eines UNESCO-Weltkulturerbes.

Eine starke Beeinträchtigung erfährt der Wasserhaushalt allerdings durch die politische Situation.Das wird auch durch die jüngste Entwicklung deutlich:

Welterbe-Terrassen in Gefahr?

Die englische Zeitung The Telegraph machte am 11. Juni 2020 darauf aufmerksam, dass die uralten Terrassen in Battir möglicherweise von Zerstörung bedroht sind. Überschrift und Untertitel des Artikels lauteten:

 

West Bank's ancient terraces threatened by settlers' plan to build business park on Unesco site

Roman-era Battir terraces risk being ‚destroyed’ by settlers' plans to build a business park on site, conservationists warn

 

(Die antiken Terrassen auf der Westbank sind von einem Plan der [israelischen] Siedler bedroht, auf Unesco-Gelände einen Industriepark zu errichten

Die Terrassen in Battir, die aus römischer Zeit stammen, drohen durch den Plan der [israelischen] Siedler zur Errichtung eines Industrieparks auf dem Gelände zerstört zu werden. Landschaftsschützer warnen)

 

Der Artikel berichtet von einem Plan der israelischen Siedlung Beitar Illit, die nur wenige Kilometer von Battir entfernt liegt, am Rand der antiken Terrassen einen Industriepark zu errichten. Das hätte schwerwiegende Folgen für die Quellen, die die Terrassen mit Wasser versorgen, und würde damit die Lebensgrundlagen der Einwohner Battirs und des palästinensischen Nachbarortes Husan erheblich beeinträchtigen.

 

In dem Artikel wird darauf hingewiesen, dass die beschriebenen Vorhaben nichts mit den derzeitigen Annexionsplänen zu tun haben. Das bedeutet im Prinzip: Selbst wenn diese Pläne noch gestoppt würden, wäre das Vorhaben bzgl. des Industrieparks damit noch nicht vom Tisch.

 

Noch ist nichts entschieden. Der Plan liegt allerdings bereits seit 2014 vor und wird derzeit (Juni 2020) in einem israelischen Entwicklungskomitee für die Region diskutiert. Eine Gruppe von Landschaftsschützern, die EcoPeace Middle East, hat zusammen mit Vertretern der betroffenen palästinensischen Gemeinden Einspruch erhoben.

 

Aber die Bedrohung ist noch nicht überstanden.

 

Siehe

Inzwischen ist die Meldung durch andere Zeitungen und durch Kontakte in den betroffenen Ortschaften bestätigt.

 

Mehr zum politischen Hintergrund und seinen Auswirkungen auf der Seite Politische Verortung.

Fotos: © Gemeinde Battir

Verwaltung der Stadt und kommunale Einrichtungen

Bürgermeister ist Herr Tayseer Qattoush. Im Stadtrat sitzen außer ihm acht Männer und drei Frauen. Fünf weitere Frauen und neun Männer arbeiten als städtische Angestellte.

 

Battir hat mehrere Moscheen und Schreine, das sind Gräber bedeutender muslimischer Gelehrter. Außerdem gibt es im Ort einige Kindergärten sowie jeweils zwei Schulen für Jungen und für Mädchen.

Weitere kommunale Einrichtungen sind eine Stadtbibliothek, ein Sportverein, ein Schwimmbad, eine Einrichtung für Mütter und Kinder, eine Lehrküche, die Kurse speziell für junge Frauen anbietet.

In der Stadtbibliothek von Battir, deren Leiterin Mariam Ma'mmar (hinter dem Buch auf dem mittleren Bild) ist.

Fotos: © Mariam Ma'mmar

Wichtig sind auch ein Landschaftsökomuseum und eine Saatgut-Sammelstelle (Palestine Heirloom Seed Library = „Palästinensische Erb-Saatgut-Bibliothek“).  In ihr werden Samen von alten, aber beinahe ausgestorbenen Getreide-, Gemüse- und Obst­sorten gesammelt und den Bauern im ganzen Land angeboten, damit sie wieder in den Anbau-Kreislauf zurückkehren können; denn diese Pflanzen sind durch jahrhundertelange Kultivierung optimal an die Region und das Klima angepasst.

 

Ein gewisses Problem stellt das Abwassersystem dar. Hier ist dringend Hilfe geboten. Dies könnte ein Ansatzpunkt sein für eine Projektpartnerschaft zwischen Brühl und Battir.

 

Die medizinische Versorgung wird von einigen Ärzten und einer Apotheke wahrgenommen. Bei größeren gesundheitlichen Problemen kann man das Krankenhaus in Bethlehem aufsuchen.

Wovon lebt Battir?

Eine der Haupteinnahmequellen stellt der Tourismus dar; mehrere Gästehäuser und ein Café freuen sich auf Besucher. Ausgeschilderte Wanderwege erschließen die reizvolle Umgebung der Stadt. Ein knapp sieben Kilometer langer Weg führt beispielsweise durch das traumhaft schöne Wadi Makhrour nach Beit Jala, der Partnerstadt von Bergisch Gladbach. Auf Kletterfreunde wartet ein Kletterwald.

 

Außerdem betreiben die Bewohner intensiv Landwirtschaft. Angebaut werden Weintrauben und Feigen, Äpfel und Birnen, Aprikosen und Pfirsiche, dazu Oliven und Auberginen. Für seine schlanken und süßen Auberginen war der Ort schon immer besonders berühmt; noch heute wird jedes Jahr im Herbst ein großes Auberginenfest gefeiert.

Fotos: © Gemeinde Battir