In der Westbank:

 

Politische Verortung Battirs


Die Umgebung des Ortes

 

Im Norden des Ortes ziehen sich uralte Terrassen-Felder über einen geschwungenen Hang in ein malerisches Tal hinunter. Durch dieses Tal verläuft seit osmanischer Zeit eine Eisenbahnlinie, die Jerusalem im Nordosten mit dem Mittelmeer im Westen verbindet.

Für die Bewohner Jerusalems war Battir früher ein beliebter Sommerfrische-Ort. Und auch sonst war die Nähe zu der großen Stadt ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die palästinensische Gemeinde.

Die kleine Stadt und ihr Umland dienten als „Kornkammer“ der Großstadt – oder genauer: als „Obst- und Gemüsekorb“. Von hier bezog Jerusalem in größeren Mengen landwirtschaftliche Produkte.

Foto: © Gemeinde Battir

Ein kleines Video (8 Min.) erzählt die Geschichte der Eisenbahn zwischen Jerusalem und Jaffa von 1890 bis 2011, fokussiert auf Battir;  mit schönen historischen Aufnahmen und interessanten Erläuterungen des historischen Hintergrunds. Siehe https://youtu.be/RMKI_TL_Jak

Die Waffenstillstandslinie von 1949

Parallel zu der oben genannten Eisenbahnlinie verläuft die Waffenstillstandslinie von 1949, auch „Grüne Linie“ genannt. Battir liegt in der sog. Westbank bzw. dem Westjordanland, die Waffenstillstandslinie trennt aber etwa ein Drittel des Gebietes, der zu dem Ort gehört, von der Westbank ab; dieses Drittel gehört seither offiziell zu Israel. Der Bahnhof Battir ist heute geschlossen; die osmanische Bahnstation ist abgerissen.

 

Wie überall im Land drohte auch hier der Bau einer gewaltigen Mauer, der sog. „Israelischen Sperranlage“. Seit 2002 wird diese im ganzen Land entlang der Waffenstillstandslinie gebaut, genauer: auf palästinensischem Gebiet und oft – von Israel aus gesehen – ein ganzes Stück hinter der Waffenstillstandslinie. Mittlerweile ist sie weit über 700 km lang. Dank des Status als Weltkulturerbe konnten die Bewohner Battirs die Errichtung der Mauer auf ihrem Gebiet jedoch durch eine Klage vor dem Obersten Gericht in Tel Aviv bisher verhindern und das Recht erstreiten, ihre Felder auf israelischem Gebiet weiterhin zu nutzen.

Ein Land in drei Zonen

Im Oslo-Abkommen von 1995 („Oslo II“) wurde das Westjordanland in drei Zonen – A, B und C – eingeteilt:

  • Zone A (18 %) steht unter palästinensischer Selbstverwaltung.
  • In Zone B (20 %) ist die Zivilverwaltung in palästinensischer Hand, die Sicherheitsverwaltung in israelischer.
  • In Zone C (62 %) hat Israel das Sagen sowohl hinsichtlich der Zivil- als auch der Sicherheitsverwaltung.

Diese Aufteilung sollte ursprünglich für eine Übergangsfrist von fünf Jahren gelten; dann sollten alle Bereiche des Westjordanlandes in A-Bereiche überführt sein. Daraus sollte dann in einem weiteren Schritt ein palästinensischer Staat entstehen, zwar mit Israel freundschaftlich  verbunden, aber weitestgehend selbständig.

 

So die Hoffnung, die allerdings bitter enttäuscht wurde: Die Aufteilung in Zonen ist bis heute Realität - mittlerweile also 20 Jahre über die "Übergangsfrist" hinaus.

 

Etwa 70 % der Gemeinde Battir liegen in Zone C. Das hat gravierende Auswirkungen auf alle kommunalen Planungen, deren Umsetzung grundsätzlich von israelischer Genehmigung abhängt; oft wird diese Genehmigung aber verweigert.

Karte von der Homepage der Palästinensischen Mission, Berlin. http://palaestina.org/fileadmin/Daten/Dokumente/Landkarten/pdf/Oslo-II.pdf. Heruntergeladen: 26.2.2020

Abbildung mit freundlicher Genehmigung der  Mission


Folgen am Beispiel Wasser

Besonders schwerwiegend sind die Auswirkungen auf den Wasserhaushalt, der in der ganzen Region "seit jeher das Hauptproblem menschlicher Existenz" ist (Vieweger, S. 48):

 

 

 Fotos: © Mariam Ma'mmar

Mitte März 2020 bzw.

(unten:) Ende April 2020

 


In regenreichen Wintern wie etwa 2019/2020 laufen die Wasserreservoirs immer wieder über. Das Wasser könnte in weiteren Zisternen leicht für den trockenen Sommer gespeichert werden. Aber die israelische Verwaltung erteilt keine Genehmigung für den Bau neuer Zisternen. Folge: Das Wasser überschwemmt die Straßen und versickert im Boden, sickert ins Grundwasser, ist für den palästinensischen Ort verloren. Gut einen Monat später sind dann oft auch die vorhandenen Brunnen leer, obwohl Wasser verfügbar wäre:

Willkür, Schikane, träge Bürokratie? Wohl eher nicht. Es ist aufschlussreich, sich hier noch einige andere Fakten in Erinnerung zu rufen; im Zusammenhang ergibt sich ein interessantes Bild:

 

"Einer Statistik des US-Informationsdienstes (USIS) zufolge stammen nur 45 Prozent der von Israel verbrauchten 1,7 Milliarden Kubikmeter [Wasser] aus dem eigenen Land, wohingegen 80 Prozent der Wasservorräte von Westbank und Golan nach Israel geleitet werden" (K.Polkehn 2001). Und der jüdische Historiker Michael Wolffsohn konstatiert nüchtern: "Ohne das Grundwasser aus dem Westjordanland würde Israels Bevölkerung verdursten." (Beide Zitate aus Vieweger , S. 54 und 52) Aber was bedeutet es für die Bevölkerung der Westbank, wenn 80% ihrer Wasservorräte nach Israel fließen?

Siehe auch auf der Seite Leben in Battir den Abschnitt Welterbe-Terrassen in Gefahr?

 

 


Zur Weiterführung und Vertiefung


Ausführliche Informationen über Palästina

finden Sie u.a. auf dem „Länder-Informations-Portal (LIPortal) der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH“: Palästinensische Gebiete

 

siehe https://www.liportal.de/index.php?id=26

Sehr informativ hinsichtlich der politischen Situation ist auch der Dokumentarfilm Die Siedler der Westbank, den der israelische Regisseur Shimon Dotan 2016 herausgebracht hat. 

 

Der Film Die Siedler der Westbank ist auf YouTube zu sehen:

https://www.youtube.com/watch?v=zOqbG9j6kNc

Dauer: 1 ½ Stunden

Weitere Informationsquellen siehe hier.