Welterbe-Terrassen in Gefahr?

Die englische Zeitung The Telegraph machte am 11. Juni 2020 darauf aufmerksam, dass die uralten Terrassen in Battir möglicherweise von Zerstörung bedroht sind. Überschrift und Untertitel des Artikels lauteten:

 

West Bank's ancient terraces threatened by settlers' plan to build business park on Unesco site

Roman-era Battir terraces risk being ‚destroyed’ by settlers' plans to build a business park on site, conservationists warn

 

(Die antiken Terrassen auf der Westbank sind von einem Plan der [israelischen] Siedler bedroht, auf Unesco-Gelände einen Industriepark zu errichten

Die Terrassen in Battir, die aus römischer Zeit stammen, drohen durch den Plan der [israelischen] Siedler zur Errichtung eines Industrieparks auf dem Gelände zerstört zu werden. Landschaftsschützer warnen)

 

Der Artikel berichtet von einem Plan der israelischen Siedlung Beitar Illit, die nur wenige Kilometer von Battir entfernt liegt, am Rand der antiken Terrassen einen Industriepark zu errichten. Das hätte schwerwiegende Folgen für die Quellen, die die Terrassen mit Wasser versorgen, und würde damit die Lebensgrundlagen der Einwohner Battirs und des palästinensischen Nachbarortes Husan erheblich beeinträchtigen.

 

In dem Artikel wird darauf hingewiesen, dass die beschriebenen Vorhaben nichts mit den derzeitigen Annexionsplänen zu tun haben. Das bedeutet im Prinzip: Selbst wenn diese Pläne noch gestoppt würden, wäre das Vorhaben bzgl. des Industrieparks damit noch nicht vom Tisch.

 

Noch ist nichts entschieden. Der Plan liegt allerdings bereits seit 2014 vor und wird derzeit (Juni 2020) in einem israelischen Entwicklungskomitee für die Region diskutiert. Eine Gruppe von Landschaftsschützern, die EcoPeace Middle East, hat zusammen mit Vertretern der betroffenen palästinensischen Gemeinden Einspruch erhoben.

 

Aber die Bedrohung ist noch nicht überstanden.

 

Siehe

Inzwischen ist die Meldung durch andere Zeitungen und durch Kontakte in den betroffenen Ortschaften bestätigt.

 


Siedler beanspruchen palästinensisches Land für sich

Israelische Siedler des illegalen Außenpostens Neve Ori in der Nähe von Battir machen sich bereits über einen längeren Zeitraum auf dem Feld einer der alteingesessenen Familien Battirs breit und beanspruchen dieses Feld für sich. Erste Aktionen begannen schon vor zwei Jahren.

Die israelische Zivilverwaltung, an die die Battiris sich wandten, stellte sich zunächst auf deren Seite; sie teilten dem Anführer der Siedler mit, dass sie sich auf privatem palästinensischem Land befänden, und gaben ihm zu verstehen, dass sie es zu verlassen hätten. Bald änderte sich jedoch die Haltung der Zivilverwaltung: Nun wurde der am stärksten betroffenen Familie in Battir das Eigentumsrecht an dem seit Generationen von ihr bewirtschafteten Land abgesprochen; dieses Land wurde nun auf der Grundlage eines Gesetzes aus dem 1ß Jh., also aus osmanischer Zeit, zu „Staatsland“ erklärt und den israelischen Siedlern damit das Recht zuerkannt, es in Besitz zu nehmen.

Daraufhin gehen die Siedler neuerdings zu provokativen Aktionen über (z.B. Schwimmen in einer als Trinkwasser-Reservoir genutzten Zisterne) und forderten zuletzt sogar die palästinensische Familie auf, ihnen die Landbesitzurkunden auszuhändigen.

 

Siehe: https://www.972mag.com/settlers-battir-illegal-outpost/ (Auf Englisch)

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